Requirements Engineering (RE) ist die Disziplin, die sich mit dem systematischen Ermitteln, Dokumentieren, Validieren und Verwalten von Anforderungen an ein zu entwickelndes System beschäftigt. Sie umfasst funktionale, nicht-funktionale, regulatorische und prozessuale Anforderungen.
Methodisch werden Techniken wie Stakeholder-Analyse, Interviews, Workshops, Beobachtung, Use Cases, User Stories, Prototypen, Domain Storytelling und Event Storming kombiniert. Werkzeuge wie Jira, Azure DevOps, IBM DOORS, Polarion oder Confluence dienen der Dokumentation und Nachverfolgung.
Einsatzzweck ist die Reduktion eines klassischen Projektrisikos: Software, die zwar technisch korrekt, aber an den eigentlichen Bedürfnissen vorbei entwickelt ist. Eine Studie der Standish Group (CHAOS Report) hat über Jahre gezeigt, dass schlechte Anforderungen zu den häufigsten Ursachen für Projektmisserfolge gehören.
Die Disziplin ist seit den 1970er Jahren wissenschaftlich beschrieben (z. B. Barry Boehm, Tom DeMarco, Karl Wiegers). Mit dem International Requirements Engineering Board (IREB) und seinem CPRE-Zertifizierungssystem hat sich seit den 2000er Jahren ein international anerkannter Standard für die Ausbildung etabliert.
In agilen Projekten wandelt sich Requirements Engineering: Statt monolithischer Lastenhefte arbeiten Teams mit Backlogs aus User Stories, Akzeptanzkriterien und Prototypen, die kontinuierlich verfeinert werden. Disziplinen wie Discovery, Dual-Track Agile oder Outcome-Based Product Development greifen RE-Methoden auf und integrieren sie in iterative Vorgehensweisen.