Event Storming ist ein kollaboratives Workshop-Format, in dem Fachexperten und Entwickler gemeinsam fachliche Abläufe modellieren. An einer langen Wand werden Domain Events (orange Klebezettel) in zeitlicher Reihenfolge angeordnet und schrittweise um Commands, Akteure, Aggregate, Policies und externe Systeme angereichert.
In der Praxis wird Event Storming für drei Zwecke eingesetzt: "Big Picture Event Storming" zum Verständnis der gesamten Geschäftsdomäne, "Process Modeling" zur Detaillierung einzelner Prozesse und "Software Design Event Storming" als direkte Vorstufe zu Bounded Contexts und Aggregates im Sinne von DDD.
Es geht darum, schnell und niedrigschwellig ein gemeinsames Verständnis komplexer Domänen zu erzeugen. Durch das Arbeiten an einer großen physischen oder digitalen Wand werden Lücken, Inkonsistenzen und Hotspots sofort sichtbar, ohne dass vorab eine formale Notation gelernt werden muss.
Event Storming wurde 2013 von Alberto Brandolini eingeführt und seitdem auf Konferenzen wie der DDD Europe stark verbreitet. Sein Buch "Introducing EventStorming" (Leanpub) dient als Referenz, wird jedoch laufend aktualisiert. Brandolini fasst die Idee in dem Satz "It's all about the questions you can't answer" zusammen.
Während der COVID-Pandemie ab 2020 entstanden zahlreiche digitale Varianten auf Plattformen wie Miro und Mural, die Event Storming auch in verteilten Teams ermöglichen. Inzwischen wird das Format häufig als Einstieg in Microservice-Schnitte, in Modernisierungsprojekte oder bei der Einführung von Event-Driven Architectures eingesetzt.