Eine Retrospektive ist ein regelmäßiges, moderiertes Meeting, in dem ein Team die zurückliegende Arbeitsperiode reflektiert und konkrete Verbesserungsmaßnahmen ableitet. Sie ist eines der zentralen Events agiler Methoden und folgt typischerweise einer Struktur wie "Set the Stage - Gather Data - Generate Insights - Decide What to Do - Close the Retrospective".
In Scrum findet die Sprint Retrospective am Ende jedes Sprints statt, in Kanban-Teams meist in regelmäßigen Intervallen. Es kommen Formate wie "Start, Stop, Continue", "Mad, Sad, Glad", "4Ls" (Liked, Learned, Lacked, Longed for) oder Sailing-Boat-Retrospektiven zum Einsatz, häufig digital mit Tools wie Miro, Mural, Retrium oder EasyRetro.
Erkenntnisse aus dem Tagesgeschäft werden systematisch in Maßnahmen überführt und in den Folgeperioden überprüft. Ohne diesen Schritt droht Routine: Probleme bleiben bestehen, weil sie nie explizit thematisiert werden.
Das Konzept hat seine Wurzeln in der Lean-Bewegung und in den "Project Retrospectives" von Norm Kerth, dessen Buch "Project Retrospectives: A Handbook for Team Reviews" (2001) die Praxis stark prägte. Esther Derby und Diana Larsen veröffentlichten 2006 mit "Agile Retrospectives: Making Good Teams Great" das bis heute meistzitierte Praxiswerk.
Ein bekannter Bestandteil ist Norm Kerths "Prime Directive": "Regardless of what we discover, we understand and truly believe that everyone did the best job they could, given what they knew at the time." Damit wird die Retrospektive bewusst als sicherer Raum etabliert, in dem nicht Schuld, sondern Lernen im Mittelpunkt steht.