Rearchitect (auch "Replace" oder "Refactor / Re-architect") bezeichnet die grundlegende Neugestaltung einer Anwendung, häufig verbunden mit dem Ersatz großer Teile durch eine moderne Cloud-Native-Architektur. Im Unterschied zu Refactor sind die Eingriffe noch tiefgreifender und betreffen häufig den Funktionsumfang, das Datenmodell und die Schnittstellen.
In der Praxis bedeutet Rearchitect oft: Aufbrechen eines Monolithen in eigenständige Services oder Modulithen, neue Datenmodelle (z. B. domänenorientierte Schnitte, CQRS, Event Sourcing), Wechsel auf moderne UI-Stacks und das gezielte Ablösen veralteter Frameworks und Bibliotheken.
Einsatzzweck ist es, Systeme strategisch zukunftsfähig zu machen, wenn das bestehende Design die geforderten Eigenschaften (Skalierbarkeit, Verfügbarkeit, Time-to-Market) nicht mehr ermöglicht. Häufig wird Rearchitect mit einem konkreten Innovationssprung verknüpft – etwa der Einführung neuer Geschäftsmodelle oder einer neuen Plattformstrategie.
Das Konzept ist Teil der von Gartner und AWS geprägten "6 R's". Microsoft definiert es im Cloud Adoption Framework als eine von mehreren Modernisierungsstrategien neben Rehost, Replatform und Replace. AWS spricht zusätzlich von "Repurchase" – also dem Wechsel auf eine SaaS-Lösung – als verwandter Variante.
In der Praxis verlangt Rearchitect ein klares Geschäftsverständnis und ein hohes Maß an Engineering-Reife. Misslungene Rearchitect-Projekte sind in der Branche legendär – häufig nicht aus technischen Gründen, sondern weil parallel zu laufenden Geschäftsanforderungen ein vollständiger Plattformneubau gestemmt werden musste, was selten reibungslos gelingt.