Die "6 R's" sind eine standardisierte Klassifikation für Migrationsstrategien in die Cloud: Rehost (Lift & Shift), Replatform, Repurchase (Drop & Shop), Refactor / Re-architect, Retain (in eigener Umgebung belassen) und Retire (außer Betrieb nehmen). Sie bilden ein einfaches Framework für Migrationsentscheidungen pro Workload.
Im Anwendungsportfolio wird jede Anwendung anhand ihrer geschäftlichen und technischen Eigenschaften einer der 6 R's zugeordnet. So entsteht ein Migrationsplan, der von einfachen Aktionen (Retire) bis zu aufwändigen Umbauten (Refactor) reicht und Risiko-, Kosten- und Werteinschätzungen transparent dokumentiert.
Einsatzzweck ist die Strukturierung großer Migrationsprogramme. Anstatt jede Anwendung individuell zu betrachten, ermöglichen die 6 R's einen einheitlichen Sprachgebrauch zwischen Business, Architektur und Betrieb. Das beschleunigt Entscheidungen und reduziert Diskussionsschleifen.
Die Klassifikation geht auf einen Blogpost von Gartner-Analystin Stephanie Overby (2010) zurück, der ursprünglich "5 R's" enthielt. AWS erweiterte den Ansatz zu den heute geläufigen 6 R's; einige Autoren ergänzen ihn um "Relocate" (z. B. VMware Cloud on AWS) zu "7 R's".
In der Praxis nutzen nahezu alle größeren Migrationsprogramme die 6 R's als Backbone ihrer Portfolioanalyse. Ein nüchterner Befund vieler Projekte: Ein erheblicher Anteil migrierter Anwendungen wird ohnehin im Lauf der Zeit retire-d oder repurchased – das frühe Erkennen dieser Fälle ist oft der größte Hebel der Migration.