CO₂-Ausstoß in der IT: Wie hoch ist der CO₂-Fußabdruck der Softwareentwicklung?

Wir haben uns gefragt, wie viele CO₂-Emissionen bei der Softwareentwicklung entstehen – über den gesamten Lebenszyklus hinaus, also zusätzlich zum Betrieb der Anwendung. Wir möchten die Emissionen der Produktion transparent machen und werden sie zukünftig projekt- und kundenspezifisch ausweisen. Dazu haben wir einen allgemeinen Emissionsfaktor für die Softwareentwicklung definiert. Wie wir unsere Daten berechnen und erfassen, erfahren Sie hier. Für mehr Transparenz und Awareness.

· 6 Min Lesezeit · Aydin Mir Mohammadi
Abbild eines symbolischen CO₂-Fußabdrucks, daneben verschiedene Personen, die diesen mit verschiedenen Werkzeugen ausmessen.
Den CO2-Fußabdruck von Softwareentwicklung messen, schafft Transparenz und Awareness

Unser Ziel: Klima- und ressourcenschonende Softwareentwicklung

Der Einsatz von Software verursacht CO-Emissionen. Diese entstehen durch die Herstellung und den Betrieb von Computern und Infrastruktur, die neben vielen anderen Faktoren auch auf den CO₂-Footprint eines Unternehmens einzahlen.

Wir als Produzent von Software sehen es als unsere Aufgabe an, diese Emissionen so gering wie möglich zu halten. Durch den Einsatz von Praktiken und Methoden können wir dafür sorgen, dass unser Ergebnis klima- und ressourcenschonend ist. Darüber hinaus können wir während des Betriebs der Software die laufenden Emissionen erfassen, auswerten und transparent machen. Betrachtet man jedoch den gesamten Lebenszyklus von Software, beinhaltet dieser auch die Produktion. 

Wir weisen den CO₂-Ausstoß für jedes Projekt aus

Die Frage lautet also: Wie viel CO verursacht die Entwicklung eines Projektes, zum Beispiel durch bluehands. Das beantworten wir jetzt transparent, indem wir auf jeder Rechnung die entstandenen CO-Emissionen ausweisen.

Mit Transparenz Awareness schaffen

Indem wir diesen Wert künftig in jeder Rechnung ausweisen, machen wir unsere Emission für unsere Kunden sichtbar. Warum wir das tun: Wir wollen etwas Licht ins CO₂-Dunkel bringen. Damit möchten wir Transparenz schaffen und Awareness dafür erzeugen, wie viel CO₂ in der Entwicklung eines Softwareprojektes steckt. Und nicht zuletzt liefern wir unseren Kunden den Scope 3-Wert für ihre Software. Wir wollen, dass Softwareentwicklung nachhaltiger wird (Stichwort „Green Coding”).

Ein Emissionsfaktor für Softwareentwicklung

Dazu haben wir einen Emissionsfaktor für die Softwareentwicklung definiert, der hier nachgelesen werden kann: https://github.com/bluehands/Emission-factor-for-Software-Development-Carbon-Intensity

Wie setzt sich der Emissionsfaktor zusammen?

Der Emissionsfaktor ergibt sich aus den gesamten Emissionen eines Unternehmens geteilt durch die gesamten Entwicklungsstunden des Unternehmens.

Bei bluehands beträgt dieser allgemeine Emissionsfaktor i.A.0,376 kg CO₂e/PersonHour.

Wird der Emissionsfaktor im nächsten Schritt mit den in diesem Leistungszeitraum entstandenen Entwicklungs-Zeitaufwände multipliziert, erhalten wir die (durchschnittlichen) CO-Emissionen eines Softwareprojekts. 

Im Folgenden haben wir unsere Zahlen zusammengestellt, die in die Berechnung des bluehands-Emissionsfaktors eingeflossen sind.

Treibhausgas-Bilanz

Die Summe aller Emissionen von bluehands ermitteln wir mit einer Treibhausgas-Bilanz im Rahmen der „Klimafaires-Unternehmen“-Kampagne der Karlsruher Energie- und Klimaagentur. Dass hier leider noch nicht alle Zahlen verfügbar sind, ist derzeit leider üblich. Es ist jedoch zu erwarten, dass sich die Erfassung und Bewertung der Emission in den kommenden Jahren weiter verbessert.

In der Bilanz werden alle wesentlichen Scope1-, Scope2- und Scope3-Emissionen erfasst und über den Klimafond der Stadt Karlsruhe kompensiert. Die von uns verursachten Emissionen verteilten sich im Jahr 2022 auf die folgenden Bereiche:

  • Wärme: 38 Prozent
  • Strom: 28 Prozent
  • Computing: 25 Prozent
  • Mobilität (Reisen und Pendeln): 7 Prozent
  • Büro: 1 Prozent

Wärme

Unser bluehands-Büro ist an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Karlsruhe angeschlossen. In Karlsruhe entsteht ein Großteil der Wärme als Prozessenergie und ist mit 0,081 kgCO/kWh schon recht klimafreundlich.

Strom

Bluehands betreibt eine eigene PV-Anlage mit 9,6 kWp. Damit wurden im Jahr 2022 ca. 9.500 kWh Strom erzeugt. Der Verbrauch liegt insgesamt bei ca. 11.900 kWh. Davon wurden ca. 7.200 kWh aus dem Netz bezogen. Dieser Netzbezug wurde in der Bilanz angesetzt. Die Netzeinspeisung wurde nicht gegengerechnet. Unser Stromanbieter sind die Elektrizitätswerke Schönau (EWS), die 100 Prozent regenerativer Energie liefern. Dieser Strom wird nach dem Location-Prinzip bilanziert und mit dem durchschnittlichen CO-Emissionsfaktor des deutschen Stromnetzes berechnet.

Computing

Beim Computing hat bluehands folgende Emissions-Quellen:

  • Arbeitsplätze (Notebooks, PC und Monitore): ca. 1,6 t COe.
    Hierbei werden die gebundenen Emissionen der Hardware entsprechend der steuerlichen Abschreibung aufgeteilt.
  • Server: ca. 1,1 t COe.
  • Microsoft Office 365: ca. 44 kg COe.
    Dieser Wert stammt vom Microsoft Emission Impact Dashboard und rechnet mit kompensiertem Strom (Market-based GHG Bilanz)
  • Microsoft Azure: ca. 70 kg COe.
    Dieser Wert ist mit dem Cloud Carbon Footprint Tool ermittelt. Der Wert ist realistisch, da wir nur Testsysteme betreiben, die wir explizit herunterfahren.

Mobilität (Reisen und Pendeln)

Alle unsere Dienstreisen sowie das Pendeln zur Arbeit sind klimafreundlich, da sie mit dem Fahrrad, mit Elektrofahrzeugen oder dem ÖPNV zurückgelegt werden. Sie werden trotzdem mit 0,085 kg COe pro Personenkilometer angesetzt.

Büro

Im Wesentlichen sind folgende Emissionsquellen für unser Büro bestimmend:

  • Trink- und Abwasser: ca. 45 kg COe
  • Ca. 1.800 Tassen Kaffee: ca. 100 kg COe

Was fehlt in der Berechnung?

Die folgenden Bereiche sind derzeit noch nicht in der Bilanz enthalten, weil uns hierfür noch keine (zugänglichen) Zahlen vorliegen:

  • DevOps mit Microsoft Azure DevOps und GitHub: Diese sind wahrscheinlich nicht wesentlich für die Bilanz.
  • Telefonanlage, Webhoster, Internetzugang und Ähnliches: Alle unsere Dienstleister verwenden grünen Strom. Wahrscheinlich sind auch diese nicht wesentlich für die Bilanz.
  • Lebensmittel und Getränke: Hier achten wir auf Bio-Lebensmittel sowie regionale und saisonale Produkte. Wir werden von unserem Koch 4-Mal die Woche bekocht. Bei unseren ein bis zwei monatlichen Events in unseren Büroräumen übernehmen wir das Catering. Uns sind im Augenblick keine durchschnittlichen Emissionsfaktoren hierfür bekannt.
  • Bürogebäude: Unser Büro ist eins der ältesten Jugendstilhäuser in Karlsruhe und wurde vor einigen Jahren renoviert. Uns liegen derzeit keine Emissionsfaktoren für solche Gebäude vor.
  • Home-Office: Ein nicht erheblicher Anteil der Arbeit erfolgt im Home-Office. Uns ist im Augenblick unklar, wie diese Emissionen (Strom, Heizung) zu bewerten sind.

Diese fehlenden Angaben bedeuten im Umkehrschluss, dass der ermittelte Emissionsfaktor als Untergrenze zu betrachten ist.

Entwicklungsaufwände

In die Berechnung des Emissionsfaktors fließen alle anfallenden Entwicklungsstunden ein. Was wir hier mit einbeziehen, ist das direkte Arbeiten im Kontext der Software. Was wir nicht berücksichtigen, sind die Stunden für Selbst-Organisation, Verwaltung, Marketing, Vertrieb, Geschäftsführung, Fortbildungen und allgemeine, nicht projektbezogen Meetings.

Darüber hinaus werden für die Berechnung des Emissionsfaktors jedoch nicht nur die Aufwände berücksichtigt, die in Rechnung gestellt werden, sondern auch Arbeiten an Open-Source Projekten oder internen Tools.

Kundenspezifischer Emissionsfaktor

Die bisherigen Ausführungen gehen davon aus, dass alle Kunden einen ähnlichen Anteil an der bluehands-Infrastruktur haben. Im Detail stimmt das jedoch nicht. Je nach Aufgabe haben wir beispielsweise Testsysteme oder Build-Umgebungen in Betrieb. Erste Überschlagsrechnungen zeigen jedoch, dass diese Unterschiede nicht groß sind.

Bei Bedarf können wir jedoch jederzeit vom allgemeinen Emissionsfaktor auf den kundenspezifischen Emissionsfaktor umsteigen.

Wie hoch ist der CO₂-Fußabdruck Ihrer Softwareentwicklung? Hier gelangen Sie zur Ermittlung des Emissionsfaktors: Emission factor for Software Development Carbon Intensity.

Und jetzt? 

Wenn auch Sie nachhaltige Software-Lösungen entwickeln möchten, erfahren Sie hier mehr über unsere ressourcensparende Softwareentwicklung. Oder nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf.