Green Software: Für wen ist das wirklich interessant?

Green Software ist weit mehr als nur stromsparender Code. Es geht um ressourcenschonende IT-Lösungen, CO₂-Einsparungen und eine neue Verantwortung in der Softwareentwicklung. Doch für wen lohnt sich der Einsatz? Und warum scheitern viele Vorhaben nicht an der Technik, sondern an anderen Faktoren? Lesen Sie hier, wer davon profitiert – und worauf es bei der Umsetzung ankommt.

 

· 4 Min Lesezeit · Aydin Mir Mohammadi
Ein Mann hält ein Tablet in der Hand, im Hintergrund eine große Glühbirne und eine Rechnerinfrastruktur

Green Software: Haltung statt Hype

Für unseren bluehands Geschäftsführer und Green Software Aktivist der ersten Stunde Aydin Mir Mohammadi ist das Thema klar: „Green Software ist keine Business-Strategie. Sie ist eine Haltung.“ Es gehe nicht nur um Technik, sondern um Bewusstsein – dafür, dass jede Software auch Umweltkosten verursacht. „Der Impact, den Software durch ihren Betrieb auf die Umwelt hat, wird nie null sein. Aber: er kann geringer sein als bei vergleichbaren Lösungen.“ Für Branchen und Unternehmen, bei denen IT der treibende Faktor der Wertschöpfungskette ist, kann das einen großen Unterschied machen. 

Was das in der Praxis heißt, verdeutlicht Aydin mit einem Beispiel: „Eine Navigations-App in einem LKW erzeugt zwar auch einen Energieverbrauch – etwa durch Cloud-Berechnungen oder das Display im Fahrerhaus. Aber im Verhältnis zum Spritverbrauch des Fahrzeugs ist das nahezu irrelevant.“ Hier lohnt sich Green Software vielleicht aus Prinzip, aber nicht aus Wirkungsperspektive. Vergleichen wir das mit einem IT-Unternehmen, sieht der Impact ganz anders aus.

Ökologisch und ökonomisch – kein Widerspruch

Ein häufiger Irrtum: Nachhaltige Software sei automatisch teurer. Aydin widerspricht: „Green Software hat oft deutlich geringere Betriebskosten.“ Der Clou: Wer grün programmiert, braucht weniger Rechenleistung, weniger Server, weniger Energie. Und das spart Geld. „Es ist total logisch: Wenn ich nur einen Server statt zwei brauche, halbieren sich die Betriebskosten. Trotzdem: In unserer Branche spielt das kaum eine Rolle.“ Warum? „Weil wir darauf trainiert sind, Fortschritt zu liefern – mehr Features, schnellere Releases, neue Märkte. Green Software spart Geld, aber sie erzeugt selten kurzfristig messbaren Business-Mehrwert. Deshalb wird sie oft ignoriert.“

Ist Green Software für mein Unternehmen relevant?

Es stellt sich also deutlich die Frage: Für wen ist Green Software überhaupt relevant? Aydin ist klar in seiner Einschätzung: „Green Software ist für alle Unternehmen relevant, bei denen IT ein zentraler Bestandteil der Wertschöpfung ist – und die sich zusätzlich ökologisch transformieren wollen.“ Der Punkt sei nicht, ob es sich lohnt – sondern ob ein Unternehmen bereit ist, den Planeten als Teil seiner Verantwortung zu sehen. „Wenn du sagst: Der Planet ist ein Stakeholder meines Unternehmens – dann wird Green Software plötzlich businessrelevant.“

Für Unternehmen wie Google & Co. sei Energieeffizienz zwar ein Thema – aber oft aus anderen Gründen: „Sie transformieren sich nicht aus Umweltbewusstsein. Sondern weil es effizienter ist. Die ökologische Transformation ist da ein Nebeneffekt – kein Treiber.“

Haltung transformieren: Von Community bis Open Source

Statt auf Zwang oder Moral zu setzen, arbeitet Aydin an Aufklärung und Aktivierung. In Karlsruhe baut er seit Jahren eine Community auf, die sich monatlich trifft – hybrid, offen, praxisnah. Über 700 Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland sind inzwischen dabei. Zusätzlich engagiert er sich im Bundesverband Green Software, der inzwischen 25 Unternehmen umfasst – darunter auch IT-Töchter großer Konzerne.

Ein weiteres Format, das Aydin begleitet, ist die CO₂-Challenge des CyberForum. Ihr Ziel: Unternehmen helfen, durch gezielte Maßnahmen bis zu 40 Prozent ihrer Software-basierten Emissionen zu reduzieren. „Wir vermitteln ehrenamtliche Mentor:innen, analysieren gemeinsam den Impact, identifizieren Maßnahmen – und dokumentieren die Fortschritte öffentlich.“

Damit Green Software im Alltag funktioniert, braucht es laut Aydin niedrigschwellige und unkomplizierte Werkzeuge – Open Source zum Beispiel. „Ich sage immer: Macht kein großes Projekt daraus. Einfach reinschmuggeln. Wenn Entwickler:innen Tools nutzen, die nebenbei grüne Entscheidungen treffen, ist das viel wirksamer als jede Governance-PDF.“ Ein konkretes Beispiel: Tools für Green Software Development, das Jobs automatisch dann ausführt, wenn Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist. „Wie früher bei Nachtspeicheröfen – nur eben für Cloud-Prozesse.“ 

Fazit: Green Software ist kein Nice-to-Have

Green Software ist keine exotische Nische. Sie ist ein echter Hebel – für alle, die mit digitaler Wertschöpfung arbeiten und Verantwortung übernehmen wollen. Sie ist nicht für alle interessant – aber für die Richtigen: Für diejenigen, die sich fragen, was ihre Software bewirkt. Und was sie bewirken könnte. Oder wie Aydin es sagt: „Es geht nicht darum, alle zu überzeugen. Sondern die zu unterstützen, die längst überzeugt sind – aber noch nicht wissen, was sie tun können.“

Und jetzt?

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