Das Strangler Fig Pattern ist eine Modernisierungsstrategie, bei der ein Legacy-System schrittweise durch ein neues System ersetzt wird, indem nach und nach Funktionalität herausgelöst und in modernen Komponenten neu implementiert wird. Mit jedem Schritt verlieren alte Komponenten an Bedeutung, bis sie schließlich vollständig abgelöst werden können.
In der Praxis wird dazu ein Fassaden- oder API-Gateway eingeführt, das Anfragen je nach Funktionalität an das alte oder neue System weiterleitet. Schrittweise werden Endpunkte aus dem Altsystem in den Neubau verlagert, getestet und freigegeben; die Fassade übernimmt das Routing.
Einsatzzweck ist die Risikoreduktion gegenüber einem Big-Bang-Rewrite. Statt jahrelang ein neues System parallel zum alten aufzubauen und am Ende ein riskantes Cutover durchzuführen, sind alle Schritte einzeln getestet und produktiv. Dadurch lassen sich Modernisierungsprojekte stabil und nachvollziehbar abwickeln.
Der Begriff geht auf Martin Fowler zurück, der ihn 2004 in einem Blogpost "StranglerFigApplication" beschrieb. Inspiration war die australische Würgefeige (Strangler Fig), die einen Wirtsbaum umrankt und schließlich verdrängt – ein einprägsames Bild für die schrittweise Verdrängung des Altsystems.
In der Praxis hat sich Strangler Fig zu einer der am häufigsten empfohlenen Modernisierungsstrategien entwickelt – vor allem in Cloud-Migrationen, Microservices-Transformationen und ERP-Ablösungen. Bemerkenswert ist die Beobachtung, dass die Strangler-Bewegung in vielen Programmen "unterwegs" anhält: Die letzten 10–20 % des Altsystems sind oft am schwersten zu ersetzen.