Ein Lifecycle Assessment (LCA, deutsch: Ökobilanz) ist eine systematische Analyse der ökologischen Auswirkungen eines Produkts oder Systems über seinen gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung, Distribution und Nutzung bis zum Recycling oder zur Entsorgung. Im IT-Kontext erfasst es Hardware, Energie und (zunehmend) Software-bedingte Wirkungen.
Die Methodik ist in den ISO-Normen 14040 und 14044 standardisiert und unterscheidet vier Phasen: Festlegung von Ziel und Untersuchungsrahmen, Sachbilanz (Inventory), Wirkungsabschätzung (Impact Assessment) und Auswertung. Neben CO₂ werden Indikatoren wie Wasserverbrauch, Versauerung, Feinstaub und Materialnutzung betrachtet.
Einsatzzweck ist die fundierte, nicht nur auf einen Indikator reduzierte Bewertung von Produkten. Im IT-Bereich hilft LCA, Trade-offs zwischen Energie und Materialnutzung sichtbar zu machen – etwa wenn neue, sparsamere Hardware mit hohem Herstellungsaufwand eine alte, ineffizientere Hardware ersetzt.
Das Konzept LCA reicht in Grundzügen bis in die 1960er Jahre zurück, wurde aber erst durch ISO 14040 (1997) und 14044 (2006) breit standardisiert. Im IT-Bereich wenden Anbieter wie Apple, HP und Cisco LCA-Methodik schon seit Jahren auf einzelne Produkte an und veröffentlichen Product Carbon Footprint-Berichte.
In der Software-Welt führen Initiativen wie Boavizta und Forschungsgruppen rund um Sustainable Software die LCA-Methodik in das Cloud- und Anwendungsumfeld ein. Die Komplexität ist hier hoch: Eine Cloud-Anwendung erbt Anteile vieler LCA-Daten – von Servern, Switches, Glasfasern und Endgeräten – was robuste Schätzmethoden voraussetzt.