Ein Root-Zertifikat ist ein selbstsigniertes X.509-Zertifikat, das den obersten Vertrauensanker einer Zertifikatshierarchie bildet. Sein öffentlicher Schlüssel wird in den Trust Stores von Betriebssystemen, Browsern oder Anwendungen verteilt; alle Zertifikate, die direkt oder indirekt mit dem zugehörigen privaten Schlüssel signiert wurden, gelten dann als vertrauenswürdig.
In der Praxis werden Root-CAs bei öffentlichen Anbietern in der Regel offline gehalten, in stark gesicherten HSMs verwahrt und nur für seltene Zeremonien genutzt. Die operative Ausstellung übernehmen Issuing- oder Intermediate-CAs, deren Zertifikate ihrerseits vom Root signiert sind. So entsteht eine Zertifikatskette, die im Browser geprüft wird.
Einsatzzweck ist die Begrenzung von Risiko und Erneuerungsaufwand. Ein direkter Schlüsselverlust einer Root-CA wäre katastrophal, da alle ausgestellten Zertifikate auf einen Schlag betroffen wären. Durch die Trennung von Root und Issuing CAs lassen sich kompromittierte Zwischen-CAs vergleichsweise gezielt austauschen.
Das Konzept selbstsignierter Trust-Anker wurde mit X.509 (1988) etabliert. Die heutigen Browser- und OS-Trust-Stores entwickelten sich ab Mitte der 1990er Jahre, als Netscape, Microsoft und später Mozilla begannen, ein gemeinsames, aber jeweils eigenes Set anerkannter Roots zu pflegen.
Ein spektakulärer Fall war der Austausch des AddTrust External CA Root am 30. Mai 2020: Mit dessen Ablauf brachen weltweit Zertifikatsketten zusammen, etwa für \"Roku\", Stripe und einige IoT-Geräte. Der Vorfall führte zu einer breiten Diskussion darüber, wie kritisch das saubere Management von Root-Lebensdauern ist.