Microsoft Entra ID, bis Mitte 2023 unter dem Namen Azure Active Directory (Azure AD) bekannt, ist Microsofts cloudbasierter Identity- und Access-Management-Dienst (IAM). Im Gegensatz zum klassischen, on-premises betriebenen Windows Server Active Directory ist Entra ID ein moderner, mehrmandantenfähiger Cloud-Verzeichnisdienst, der Identitäten, Gruppen, Geräte und Anwendungen verwaltet und Authentifizierungs- sowie Autorisierungsprotokolle wie OAuth 2.0, OpenID Connect, SAML 2.0 und WS-Federation implementiert.
Eingesetzt wird Entra ID als Identitätsprovider für Microsoft 365 (Exchange Online, SharePoint, Teams), für Azure-Ressourcen, für tausende SaaS-Anwendungen über die Entra-Galerie sowie als Identity-Backbone eigener Anwendungen über die Microsoft Identity Platform (MSAL). Für Anwendungsentwickler stehen Konzepte wie App-Registrations, Service Principals, Managed Identities (System-assigned und User-assigned), Conditional Access Policies und Privileged Identity Management (PIM) bereit. Entra ID B2B unterstützt die Einbindung externer Partner, Entra External ID (vormals Azure AD B2C) das Identity-Management für Endkundenanwendungen.
Der Einsatzzweckergibt sich aus dem Spannungsfeld zwischen klassischem AD und Cloud-Anwendungen: Klassisches AD nutzt Kerberos und LDAP, die in Internet-Szenarien jenseits unternehmensinterner Netzwerke schlecht skalieren. Entra ID adressiert dies mit Web-zentrierten Standards, mehrstufiger Authentifizierung, risikobasiertem Zugriff (Identity Protection) und passwortlosen Verfahren wie FIDO2-Sicherheitsschlüsseln, Windows Hello for Business und Microsoft Authenticator. Hybrid-Szenarien werden über Microsoft Entra Connect (vormals Azure AD Connect) zwischen On-Premises-AD und Entra ID synchronisiert.
Historisch wurde Azure AD 2010 als Identitätsdienst hinter Windows Azure und Office 365 eingeführt und hat sich seitdem von einem reinen Verzeichnis hinter Microsofts SaaS zu einer umfassenden IAM-Plattform entwickelt. Wichtige Meilensteine sind die Einführung von Conditional Access (2015), Azure AD B2C (2016), Managed Identities (2017) und schließlich die Umbenennung in Microsoft Entra ID 2023, im Zuge derer die gesamte Identitäts-Produktfamilie unter der Marke ‚Entra' neu sortiert wurde — inklusive Entra Permissions Management, Entra Verified ID und Entra Internet Access.
Eingeführt und kontinuierlich weiterentwickelt wird Entra ID von Microsoft, mit Alex Simons als langjährigem Produktverantwortlichen für die Identity-Plattform. Die Umbenennung von Azure AD auf Entra ID war für viele Bestandskunden zunächst irritierend, weil ‚Active Directory' als Marke seit Windows 2000 ein fester Begriff in der IT-Welt war. Microsoft begründete den Schritt damit, dass der Dienst trotz des Namens nichts mehr mit dem klassischen Active Directory gemein habe und unter dem alten Label fälschlicherweise als ‚AD in der Cloud' wahrgenommen werde. In vielen Dokumenten, Tools und Bibliotheken (z. B. ‚AzureAD'-PowerShell-Modul, Graph-API-Endpunkte) lebt der alte Name technisch noch lange weiter.