Infrastructure from Code (IfC) ist ein neuerer Ansatz, bei dem die benötigte Infrastruktur direkt aus dem Anwendungscode abgeleitet wird, ohne dass Entwicklerinnen und Entwickler explizit Konfigurationsdateien für Cloud-Ressourcen schreiben. Werkzeuge analysieren statisch oder zur Laufzeit den Code — etwa Imports einer "Bucket"-Bibliothek oder Annotationen an Funktionen — und generieren daraus die passenden Infrastrukturressourcen, IAM-Policies, Trigger und Verbindungen. Anders als bei klassischem Infrastructure as Code, wo Infrastruktur und Anwendungscode in zwei separaten Welten leben, verschmelzen beide Schichten.
Eingesetzt wird IfC vor allem in Frameworks wie Wing (winglang.io), Klotho, Encore, Nitric, Ampt und Eventual. Manche Cloud-Datenbanken und SaaS-Anbieter integrieren IfC-Konzepte direkt: Beispielsweise generiert Encore die nötigen AWS- oder GCP-Ressourcen automatisch aus annotiertem Go- oder TypeScript-Code, Wing kompiliert eigenen Code in Terraform und Lambda-Bundles, und Ampt erlaubt das Schreiben einer Anwendung als Stack ohne explizite Cloud-Konfiguration.
Der Einsatzzweck und das gelöste Problem liegen in der starken Reduktion der "Schräglage" zwischen Anwendungs- und Infrastrukturcode. Bei klassischem IaC pflegen Teams häufig zwei Welten: Anwendungscode in Sprachen wie TypeScript, Go oder C# und Infrastruktur-Code in Terraform oder Bicep. Änderungen müssen synchron in beiden Welten nachgezogen werden, Schnittstellen sind nur informell dokumentiert. IfC zielt darauf ab, diese Trennung aufzulösen: Wer eine Datenbank im Code verwendet, bekommt automatisch die passende, korrekt verdrahtete Cloud-Ressource.
Historisch ist IfC ein vergleichsweise junger Ansatz, der ab etwa 2021 in mehreren Projekten parallel an Profil gewonnen hat. Vorläufer findet sich konzeptionell in serverless.com mit seiner stark anwendungszentrierten Konfiguration, in AWS CDK mit konstruierenden L3-Bibliotheken und in Pulumi-Komponenten. Die explizite Marke "Infrastructure from Code" wurde unter anderem durch das Wing-Projekt und durch Beiträge von Shimon Tolts (Datree) sowie Yan Cui in der Serverless-Community popularisiert. Aktuell befindet sich der Bereich noch in einer experimentellen Phase mit teils stark abweichenden Architekturen.
Eingeführt und vorangetrieben wird IfC von einer kleinen, stark von der Serverless-Community geprägten Gruppe von Startups und Open-Source-Projekten. Auf der ServerlessDays-Konferenzreihe 2022/2023 war "Infrastructure from Code" eines der prominentesten Diskussionsthemen — kontrovers, weil Befürworter die Vereinfachung des Entwickleralltags betonten, während Kritiker auf das Risiko "magisch" erzeugter Cloud-Infrastruktur und auf den Verlust von Kontrolle in Compliance-relevanten Umgebungen verwiesen. Diese Diskussion wiederholt argumentativ die Auseinandersetzung zwischen Konfigurationsmanagement (Puppet, Chef) und Code (Terraform) eine Generation früher und verdeutlicht, dass IfC sich noch beweisen muss.
Bei bluehands verfolgen wir den Ansatz durch die Integration von Aspire in den Microservices. Aspire erzeugt ein Manisfest, welches als Grundlage für die Erzeugung von Deployment-Scripts dient.