Clean Code bezeichnet einen Programmierstil, bei dem Quelltext für menschliche Leser optimiert ist - durch sprechende Namen, kleine Funktionen mit einer klaren Verantwortung, geringe Verschachtelungstiefe, eindeutige Strukturen und das konsequente Vermeiden von Duplizierung. Ziel ist Code, der sich "liest wie gut geschriebener Text".
In der täglichen Entwicklungsarbeit wird Clean Code als Leitlinie für Implementierung, Code Reviews und Refactoring verwendet. Konkrete Praktiken sind etwa das Boy-Scout-Rule-Prinzip ("Hinterlasse den Code sauberer, als du ihn vorgefunden hast"), die Trennung von Aufgaben (Single Responsibility), das Entfernen toten Codes und das Vermeiden überflüssiger Kommentare zugunsten ausdrucksstarker Bezeichner.
Einsatzzweck ist die Reduktion langfristiger Wartungskosten. Software wird vielfach häufiger gelesen als geschrieben; unsauberer Code erzeugt technische Schulden, die mit jeder Änderung Zinsen kosten. Clean Code minimiert kognitive Last und Fehlerquellen und macht Systeme über ihre Lebensdauer hinweg veränderbar.
Der Begriff wurde durch das gleichnamige Buch "Clean Code: A Handbook of Agile Software Craftsmanship" von Robert C. Martin ("Uncle Bob") aus dem Jahr 2008 populär. Es kodifiziert Prinzipien, die zuvor in der Software-Craftsmanship-Bewegung und durch Vorgänger wie Kent Beck, Martin Fowler und Ward Cunningham diskutiert worden waren.
Uncle Bob ist auch Mitautor des Agilen Manifests (2001) und treibt seit Jahrzehnten die Idee der Software Craftsmanship voran. Die Clean-Code-Prinzipien haben in der Branche eine starke, teils dogmatische Verbreitung gefunden – mit lebhaften Diskussionen über sinnvolle Funktionsgrößen, Kommentarregeln und Abstraktionstiefe.