Azure Monitor ist die zentrale Observability-Plattform der Microsoft-Azure-Cloud. Sie sammelt, speichert und korreliert Metriken, Logs, Traces, Aktivitätsprotokolle und Diagnosedaten aus Azure-Diensten, virtuellen Maschinen, Container-Workloads, Anwendungen und Hybrid-Umgebungen. Im Kern stehen zwei Datenstores: die Metrics Database für hochauflösende, aggregierte Zeitreihen und Log Analytics — basierend auf Azure Data Explorer (Kusto-Engine) — als Speicher für strukturierte und unstrukturierte Logs, abfragbar über die Kusto Query Language (KQL).
Eingesetzt wird Azure Monitor als Dach für Application Insights (APM für Web- und Hintergrunddienste mit Distributed Tracing über OpenTelemetry und das W3C-Trace-Context-Protokoll), VM Insights, Container Insights (für AKS und ACA), Network Insights, sowie für Kosten- und Performance-Analysen. Alerts werden über Action Groups an E-Mail, SMS, Webhook, Logic Apps, Functions oder ITSM-Konnektoren weitergeleitet; Workbooks und Azure Dashboards bieten visuelle Aggregationen, und Autoscale-Regeln können direkt aus Metriken oder Logs abgeleitet werden.
In gewachsenen Cloud-Landschaften sammeln sich oft mehrere Werkzeuge — separate Logging-Systeme, APM-Tools, Tracing-Stacks — mit eigenen Datenmodellen und Auth-Modellen. Azure Monitor reduziert diese Fragmentierung: Plattform-Logs aus Azure-Diensten, Anwendungs-Telemetry und Infrastruktur-Metriken liegen in einem Workspace, mit identischen Berechtigungen über Azure RBAC und einer einzigen Abfragesprache. Über Diagnostic Settings können Daten parallel in Storage (für günstige Langzeitarchivierung), Event Hubs (für Streaming an Drittsysteme) und Log Analytics geleitet werden.
Historisch besteht Azure Monitor aus eigenständigen Produkten, die 2018 unter einer Marke gebündelt wurden: Azure Diagnostics, Azure Insights, OMS Log Analytics und Application Insights (ursprünglich als eigenständiger APM-Dienst, übernommen aus dem Visual-Studio-Online-Umfeld). Die Konsolidierung war strategisch wichtig, um Kunden eine einzige Lernkurve und ein einheitliches Datenmodell zu bieten. Mit der Einführung der Data Collection Rules (DCRs) und der ‚Azure Monitor Agents‘ (AMA, ab 2021) wurden die früheren Log-Analytics- und Diagnostic-Agents schrittweise abgelöst.
Sie wurde ursprünglich für ein Microsoft-internes Telemetrie-System mit dem Codenamen ‚Kusto‘ entwickelt — der Name geht auf den französischen Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau zurück, mit Anspielung auf das ‚Tauchen‘ in tiefe Datenmengen. KQL hat sich seitdem weit über Azure Monitor hinaus verbreitet: Microsoft Sentinel, Microsoft Defender XDR und Azure Data Explorer nutzen dieselbe Sprache, was sie zu einer der am weitesten verbreiteten Abfragesprachen für Telemetrie und Sicherheits-Daten im Microsoft-Ökosystem macht.