Der Agile Festpreis ist ein Vertragsmodell zwischen Auftraggeber und Dienstleister, das fixe Preise für definierte Leistungspakete mit den Werten und Praktiken agiler Vorgehensweisen kombiniert. Statt eines starren Pflichtenhefts wird ein Vision-, Backlog- und Steuerungskonzept vereinbart, das Anpassungen während der Projektlaufzeit erlaubt.
In der Praxis gibt es verschiedene Ausprägungen: Festpreise pro Sprint, Festpreise pro Inkrement / MVP, Token-Modelle (Auftraggeber kauft Aufwandstoken, die Story-Points oder Sprint-Volumen abbilden) und hybride Modelle mit Kostenobergrenzen und gegenseitigen Anpassungsmechanismen. Die rechtliche Grundlage ist häufig ein Werkvertrag mit klar geregelter Zusammenarbeitsstruktur.
Einsatzzweck ist die Vereinbarkeit zweier sonst widerstrebender Ziele: Investitionssicherheit für den Auftraggeber und agile Anpassungsfähigkeit im Projekt. Klassische Festpreisverträge fördern starre Anforderungen und Change-Request-Spiele; klassische T&M-Verträge fördern Output-Maximierung statt Outcome-Orientierung. Der Agile Festpreis versucht, beides zu überwinden.
Das Konzept wurde insbesondere durch Andreas Opelt, Boris Gloger und Hubert Pflüger im Buch "Der agile Festpreis" (2012) populär gemacht. Es wird seitdem in der DACH-Region in vielen agilen Beratungs- und Entwicklungsprojekten eingesetzt – auch bluehands berät Kunden zu vergleichbaren Modellen.
In der Praxis funktioniert ein Agiler Festpreis vor allem dann, wenn beide Seiten kulturell auf Augenhöhe arbeiten und eine echte Discovery-Phase einplanen. In vielen Projekten zeigt sich, dass das größte Argument für den Agilen Festpreis nicht die rechtliche Eleganz, sondern der gemeinsame Lernprozess in der Vertragsgestaltung ist.