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Fokussiert sein bedeutet, „Nein!“ zu großartigen Ideen sagen. Aber es gibt eine Option: das Beiboot

Im dritten Beitrag zur Beiboot-Strategie wollen wir ein weiteres Szenario zeigen, in welchem unsere Kunden diese nutzen. In diesem Fall hat unser Kunde ein klares Geschäftsmodell mit einer funktionierenden Softwareentwicklung. Er ist vollkommen fokussiert auf sein Business und der Unternehmens-Tanker hält stabil den Kurs. Von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass der Endkunde unseres Kunden Anfragen für ein zusätzliches „Geschäft“ tätigt. Dieses hat vielleicht nur entfernt mit dem Produkt zu tun, kann es unter Umständen ergänzen. Es wäre aber in jedem Fall sinnvoll und eine Überlegung wert.

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Kleines Boot neben Containerschiff als Symbol für die Beiboot-Strategie

Der Haken: das zusätzlich angefragte Geschäft passt gerade nicht in den Fokus unseres Kunden. Strategie und Vernunft sagen, man solle die Anfrage nicht bedienen. Aber – es wäre auf der anderen Seite eine großartige Gelegenheit, eine perfekte Ergänzung zum Kerngeschäft und vielleicht strategisch von Vorteil. Ein klassisches Dilemma.

Auslagern oder Beiboot

Auf das Kerngeschäft fokussiert zu sein bedeutet, „Nein!“ zu großartigen Ideen zu sagen, da diese das Risiko mit sich bringen, den ursprünglichen Kurs zu verlassen und nicht ans Ziel zu kommen. Es gibt aber auch hier einen klassischen Ausweg: Man baut eine zweite Linie auf und lagert diese aus, indem man beispielsweise eine Tochterfirma gründet, welche die Idee weiterentwickelt. Will man die neue Idee allerdings nicht gleich in einem so großen Rahmen aufziehen, geht es natürlich auch eine Nummer kleiner – und an dieser Stelle kommt das Beiboot ins Spiel. Zusätzlich zum Tanker wird ein kleineres, wendiges Beiboot zu Wasser gelassen, welches sich um das neue Thema kümmert. Die Besatzung kann an dieser Stelle auch fachfremd sein, also nicht aktiv in der Domäne des Hauptprodukts tätig sein. Damit wird die Integration einer externen Softwareentwicklung vereinfacht. Ein taskforceorientiertes Unternehmen ist hierbei nicht zwingend notwendig, allerdings unterstützt dieses die ursprüngliche Strategie, den Fokus zu behalten, sehr stark.

Die Aufgaben des Beiboot-Teams

Das Beiboot-Team hat zwei zentrale Aufgaben: Erstens, die gestellte Anfrage, sprich das Zusatzgeschäft gut zu lösen und zweitens dafür zu sorgen, dass die Besatzung des Tankers fokussiert weiterarbeiten kann. Bei uns haben wir immer einen „PO-Proxy“ mit an Bord, der sich fachlich gemeinsam mit dem Team in die neue Materie einarbeitet. Das Produkt-Management des Hauptschiffes hat so die Möglichkeit, das Hauptaugenmerk weiter auf das Kerngeschäft zu legen. Da wir in jeder „Zelle“ auch eine verantwortliche Person – den Hutträger - haben, können sich die Entwicklungsleiter:innen ebenfalls weiterhin auf das Hauptgeschäft konzentrieren.

In dem Szenario der neuen Ideen agiert das Beiboot als leichtgewichtige Option, ein Zusatzgeschäft wahrzunehmen. Falls sich dieses als Erfolg herausstellt (was wir alle hoffen), dann kann es entweder wieder in das Hauptgeschäft integriert werden oder in einer separaten Tochterfirma weitergeführt werden.