Wissenswelt

Mit der Beiboot-Strategie das Produktportfolio erweitern

In unserem vorherigen Beitrag haben wir berichtet, wie einige unserer Kunden die Beiboot-Strategie verwenden, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und dennoch auf Kurs zu bleiben. In diesem Beitrag möchten wir zeigen, wie die Strategie verwendet werden kann, um das Produktportfolio zu erweitern, ohne dass die Entwicklung die entsprechende technische Expertise besitzt.

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Konkret geht es hier bei unserem Kunden um die Entwicklung eines sehr speziellen Windows-Client als zusätzlichen Zugangspunkt für die eigentliche Kerndienstleistung des Kunden. Kerngeschäft des Kunden ist die Akquisition, Aufbereitung und Auswertung von speziellen Daten.
Webbasierte Applikationen des Kunden nutzten diese Daten.
Jetzt soll auch dieser Windows-Client angeboten werden. Der liegt allerdings außerhalb der technischen und fachlichen Expertise des Kunden.
Um es im Bild der Nautik auszudrücken – unser Kunde hat einen großen Tanker und bedient erfolgreich seine Kunden. Am Pier liegt jetzt noch ein Stückgut, das mitsoll, aber man kann und will den Tanker nicht auch noch auf Stückgut aufrüsten. Und zusätzlich fehlt es an Erfahrung, wie das gehen soll.

Technisches Know-how nicht vorhanden

Wir treffen hier auf ein gängiges Problem in unserem Alltag als Softwareentwickler:innen. Das Besondere an dieser Situation ist, dass unser Kunde sein technisches Know-how für das strategische Geschäft nicht erweitern möchte. Das „Stückgut“ Geschäft ist zu klein, man verliert Effizienz und es würde auch zu lange dauern.
Die Lösung ist, ein Beiboot zu Wasser zu lassen. In diesem sitzt ein Team, bestehend aus Produkt-Management, der bestehenden Entwicklung – zur initialen Anbindung an die Kerndienstleistung – und Kolleg:innen aus einer taskforceorientierten Softwareschmiede. In diesem Fall sind das wir :-)

Langfristige Verbindung und Strukturen schaffen

Die Herausforderung ist das Commitment – das Produkt wird nicht „In-house“ entwickelt, man ist somit abhängig von der Verfügbarkeit anderer. Kann die Entwicklung über die ganze Lebenszeit hinweg garantiert werden?
Als Softwaredienstleister benötigen wir hierfür Strukturen, die darauf ausgelegt sind, sehr langfristige Engagements zu bedienen. Wir müssen damit umgehen, dass die Menschen in der Task Force wechseln, dass Entwicklungstempo sich durch die Fahrt in unterschiedlichen Gewässern mit der Zeit ändert und die Pflege sowie der Support lange aufrechterhalten werden müssen. In der „normalen“ projektorientierten Softwaredienstleistung ist das nicht möglich.
Eine taskforceorientierte Firma hingegen bietet die ideale Struktur dafür. Es sind immer mehr Menschen mit der Thematik und der Technologie vertraut, als gerade in der Gruppe arbeiten. Das Onboarding neuer Kollegin:innen ist erprobt und erfolgt schnell. Da in der Firma mehrere Task Forces gleichzeitig arbeiten, können die Menschen wechseln. Eine Task Force „atmet“ und reagiert so auf unterschiedliches Arbeitsvolumen und Tempo.